Barry Dodson

Barry Dodson
Barry Dodson war der erfolgreichste Bundestrainer. War! Seit 1. Januar 2007 ist Oliver Pettke Nachfolger des Engländers. “Viele Sportler werde mich vermissen”, sagte Dodson im squash-time-Interview.


squashnet: An Weihnachten 2006 kam das Christkind und Barry Dodson ging als Bundestrainer?
Barry Dodson: "Genau!"
squashnet: Sie sehen die Ausbootung aber nicht als Geschenk, oder?
Barry Dodson: "Wenn man die Ausschreibung für den Bundestrainer liest, ist sie geschrieben von Beamten für Beamte. Ein Bundestrainer muss eine gewisse Magie haben. Let the coach coach, lass den Trainer trainieren! Schmickschnack und Politik waren noch nie mein Ding!"
squashnet: Gehen Sie im Groll?
Barry Dodson: "In den letzten zwei Jahren hat meine Leidenschaft gelitten. Wenn man zu viel leiden muss, verliert man die Leidenschaft für diesen Job – aber nicht die Leidenschaft für diesen Sport!"
squashnet: Wurden Sie rausgeschmissen oder hatten Sie selbst keinen Bock mehr?
Barry Dodson: "Ende Juni 2006 habe ich einen Brief vom DSRV-Präsidenten bekommen, in dem es hieß, dass sie meinen Vertrag nicht verlängern werden. Ich weiß aber nicht, ob sie gepokert haben oder ob sie mich loshaben wollten ..."
squashnet: Noch einmal meine Frage von vorhin: Gehen Sie im Zorn?
Barry Dodson: "Ich gehe überhaupt nicht im Zorn. Aber mein Fachvorgesetzter versteht gar nicht, was ich will und was der Sport braucht. Er will seine Richtung fahren und nicht die, die die Sportler brauchen. Ich habe einen Konflikt mit der Art, wie der Sport behandelt wird. Ich habe von Anfang an die Seite der Sportler gesehen und nicht die Seite des Verbandes!"
squashnet: Stehen Sie mit Ihrer Meinung alleine?
Barry Dodson: "Okay, der Verband hat Geldprobleme. Aber da ist keine Zusammenarbeit, da gibt’s Machtkämpfe, ... nee, das kann ich nicht länger machen!"
squashnet: Was sagen die Sportler zu Ihrem Abschied?
Barry Dodson: "Viele Sportler werden mich vermissen! Ich gehe mit Stil, nicht im Zorn! Ich stehe immer den Leuten zur Seite, die mir Vertrauen geschenkt haben. Aber manche Leute wollten mich nie akzeptieren – doch die Erfolge sprechen für sich! Ich habe Freude reingebracht – das ist meine Stärke."
squashnet: Sie sind 2006 runde 50 Jahre alt geworden, sie haben drei EM-Titel mit der Jugend gewonnen – da ist doch auch Grund zum Feiern?
Barry Dodson: "Ich habe auf die drei Titel von den Offiziellen keine E-Mail bekommen, keinen Glückwunsch, kein Lob. Und auch keine Reaktion auf meinen 50. Geburtstag."
squashnet: Was machen Sie in Zukunft?
Barry Dodson: "Das gebe ich noch nicht bekannt, aber ich laufe nicht weg vom Sport! Es wird verschiedene Aufgaben im Sport geben. Und wenn Oliver Pettke mich braucht, braucht er nur anzurufen ..."
squashnet: Würden Sie den Job wieder machen?
Barry Dodson: "(zögert sehr lange) Das ist keine blöde Frage – diesen Job würde ich gerne und zu jeder Zeit wieder machen. Wo, ist mir egal; ich habe auch kein Problem, weil wir mit mir als Engländer den Engländern alle Titel weggenommen haben."
squashnet: Die Tür zum DSRV oder zum DSQV, wie er jetzt heißt, ist für immer zu?
Barry Dodson: "Wenn mal später ein anderes Präsidium entscheidet, dass es Erfolg mit mir haben will, ist die Tür nicht endgültig zu."
squashnet: Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Oliver Pettke?
Barry Dodson: "Die Stimmung ist zurzeit gut, da hoffe ich, dass er auf dem Vorhandenen aufbauen kann. Ich habe immer gesagt, dass du nicht alle Spieler auf deiner Seite haben kannst. 90 Prozent der Spieler haben verstanden, was ich machen wollte. Ich hoffe, Oliver Pettke schafft die 100 Prozent! Er wird es nicht leicht haben. Alle Gelder für die erfolgreichen Jugendlichen sind jetzt gestrichen für die Turniere. Und weil der Jugend nicht mehr geholfen wird, wird es Oli schwer haben"
Das Gespräch führte Bernd Ruof