Laurens Jan Anjema

Laurens Jan Anjema (British Grand Prix 2015)

Laurens Jan Anjema

Laurens Jan Anjema, Du wirst LJ genannt – oder bevorzugst Du „Dutch Robocop”?

Ich heiße mit vollem Namen Laurens Jan Anjema, aber alle meine internationalen Freunde nennen mich LJ, weil es einfacher ist, denke ich. Zudem klingt es cooler, was nicht unwichtig ist, wenn man alleine durch die Welt reist. Der „Dutch Robocop” ist eine Erfindung von Joey Barrington von SquashTV wegen meiner mechanisch anmutenden Schlagbewegung. Offensichtlich habe ich einen gut geschmierten mechanischen Schwung (lacht)!

Die deutschen Squash-Fans kennen Dich aus der Bundesliga. Du hast bereits für Koblenz und Hamborn gespielt, derzeit spielst Du für Hamburg. Was hältst Du von der Bundesliga und wie schätzt Du die Chancen mit Hamburg ein?

Ich liebe es für Hamburg zu spielen und finde mein Team super. Es ist ein großartiger Club mit leidenschaftlich agierenden Verantwortlichen und es ist phantastisch zu Hause in Hamburg vor einer Kulisse mit vollbesetzter Tribüne zu spielen. Ich spiele in vielen verschiedenen Ländern Liga und nach meiner Erfahrung wird die Bundesliga im Vergleich sehr Ernst genommen. Jeder Spieltag ist fast wie eine Weltmeisterschaft durch organisisert. Alles sehr pünktlich und straff. Ich sage nicht, dass das gut oder schlecht ist, jedenfalls ist es lustig die Unterschiede der kulturellen Mentalität in den jeweiligen Ländern zu sehen. Und ich denke wir werden mit Hamburg gute Chancen haben, gut abzuschneiden!

Im November habt ihr gegen Paderborn gespielt, Dein Gegner hieß Simon Rösner. Was kannst Du über ihn sagen – Du kannst ruhig ehrlich sein, er liest fast nie squashnet.de...

Ich weiß, Simon kann überhaupt nicht lessen, deswegen muss ich mir keine Sorgen machen, dass er das hier liest, also kann ich ganz offen sein (lacht)! Simon ist einzigartig. Sowohl als Squash-Spieler, als auch als Mensch. Er ist sehr talentiert und spielt ein ausgeprägtes Angriffsspiel. Ich weiß wie hart er für seinen Erfolg arbeitet. Aber ich glaube ihm ist gar nicht bewusst, welch Opfer er bringt, weil er die Sache, die er tut, liebt und mit Leidenschaft macht. Ich kann dies anhand eines Beispiels verdeutlichen: Vor einiger Zeit kam Simon zu mir und wir spielten an fünf aufeinanderfolgenden Tagen gegeneinander. Das waren brutale Trainings-Matches. Die meisten davon über fünf Sätze. Am Ende der Woche taten uns die Beine weh und wir waren total am Ende. Nach unserem letzten Match, am Freitag, hatte ich geplant, mir ein wenig Weggehen zu gönnen, um ein paar Bacardi-Cola mit meinen Freunden zu trinken und erst am frühen Morgen nach Hause zu kommen. Ohne meine Pläne zu kennen, sagte Simon, als er seine Sachen ins Auto lud, um nach Hause zu fahren: „Heute Abend werde ich mir was gönnen”. Neugierig fragte ich, was ihm da vorschwebe. „Ich werde einen Hamburger essen”, antwortete er.

Deine PSA-Karriere begann im Jahr 2002. Was waren Deine größten Erfolge?

Ich gewann einige schöne Titel, unter anderem in Montreal und in San Franzisco, aber mein größter Erfolg war es sicher für neun Monate an Position neun der Weltrangliste gewesen zu sein.

Das war im Jahr 2010. Momentan bist Du an Position 40, was ist geschehen?

Ich hatte einen Knochensporn am linken Fuß, der im November 2014 operativ entfernt wurde. Obwohl die OP schnell ging, war die Reha brutal und dauerte drei bis vier Monate. Im Anschluss dauerte es ein paar weitere Monate bis ich wieder gut spielte. Das war ein schweres Jahr. In der Weltrangliste fiel ich von Rang 15 auf 50. Dennoch habe ich eine Menge positive Energie aus dieser Zeit gewonnen und würde sehr gerne wieder dorthin zurück gelangen, wo ich war. Ich glaube ich kann noch eine Menge gutes Squash spielen! (siehe: PSA World Tour: London Calling!

In den sozialen Medien hattest Du veröffentlicht, dass das Nationale Olympische Komitee (NOK) der Niederlande deswegen die Unterstützung eingestellt hatte. Was hast du dann gemacht?

Das NOK entschied, nach meiner Verletzung und dem Abrutschen in der Weltrangliste, mir die finanzielle Unterstützung zu versagen. Der größte Teil meines Einkommmens kam von ihnen und wenn ich weiter in der World Tour der Professional Squash Association (PSA) spielen wollte, musste ich mir was einfallen lassen. Mit der PSA World Tour allein, verdienen wir nicht viel Geld, weswegen man eben auch andere Quellen braucht, um die Reisen zu den Turnieren weltweit zu finanzieren. Deshalb startete ich eine Crowdfunding-Kampagne (siehe dazu: Mit Oma Erna zur WM) auf wijwijnsport.nl und es kamen über 10.000 € (mittlerweile 12.000 €, Anmerkung der Redaktion) in nur zwei Wochen zusammen (siehe: NOK steigt aus – Squash-Fans können einsteigen!)! Ich war überwältigt von der Unterstützung, die ich von allen Squash-Fans aus der Welt erhielt.

Wie sehen Deine weiteren Pläne aus, denkst Du, dass Du nochmals zurück in die Top Ten gelangen kannst?

Das wird sicher nicht einfach werden, aber ich glaube, dass ich es schaffen kann. Ich habe mittlerweile eine Menge Erfahrung gesammelt und ich denke ich kann immer noch mein bestes Squash zeigen. Es wäre unglaublich meine Karriere auf einer weiteren Weltranglisten-Bestleitung beenden zu können.

Wie sieht es mit Squash in den Niederlanden aus, gibt es momentan viele Junioren-Spieler?

Es sind sicherlich nicht sehr viele. Es fällt mir schwer über Zukunftsprognosen der Spieler zu sprechen. Ich war selbst ein Spätzünder und jeder Einzelne hat eine andere Leistungs-Etwicklung.

Wie und wo hast Du mit dem Squash begonnen, wer waren Deine Trainer?

Ich began in meiner Heimat Den Haag. Mein Vater war zwölffacher niederländischer Meister (Anmerkung der Redaktion: LJ hat bisher neun nationale Einzel-Titel gewonnen) und nahm mich mit in den Court, seit ich fünf Jahre alt bin. Ernsthaft gespielt habe ich aber erst mit 15-16. Ich übte noch andere Sportarten, wie Tennis und Feld-Hockey aus. Mit 18 zog ich für fünf Jahre nach England und trainierte dort mit Neil Harvey, dem Coach von Peter Nicol (beste WRL 1, im Februar 1998, Anmerkung der Redaktion). Zur Zeit arbeite ich mit Lucas Buit zu Hause in Holland.

Alexander Lukasch führte das Gespräch für squashnet.de…

Alexander Lukasch führte das Gespräch für squashnet.de…