Greg Gaultier

Greg Gaultier (World Championship, Bellevue)

Greg Gaultier

Greg, Du bist kürzlich World Champion und gleich darauf erneut Weltranglistenerster geworden, können da noch Wünsche offen sein?

Selbstverständlich, ich will ja noch ein paar Jahre spielen, ich bin 32 und in der besten Verfassung meines Lebens! Ich will weiter gewinnen, so viel ich kann und so lange wie möglich Nummer eins der Welt sein.

Also müssen wir noch nicht mit Deinem Rücktritt rechnen. Was sind Deine Pläne für die nähere Zukunft?

Natürlich habe ich mir schon mal Gedanken gemacht, für die Zeit nach der aktiven Squash-Karriere, aber es gibt da noch nichts Konkretes. Ich wäre gerne auch zukünftig im Squash-Sport involviert. Ich denke aber noch nicht ans Aufhören! Aber die Zeit vergeht so schnell, das kann einen schon beängstigen! Es ist bestimmt besser auf den Tag vorbereitet zu sein. Dennoch wird es bestimmt nicht einfach, wenn es soweit ist. Andererseits könnte es aber auch gleichzeitig eine Erleichterung sein.

Das war Dein fünftes Finale bei einer World Championship. Kannst Du beschreiben, wie es Dir vor dem Spiel ging?

Ich hatte die Nacht zuvor nicht allzu gut geschlafen, weil meine Gedanken natürlich um das Finale kreisten. Während des Tages bereitete ich mich wie gewöhnlich vor, um so entspannt zu sein wie möglich. Ich musste tatsächlich auch an meine Endspiele bei den vergangenen World Championships denken. Aber ich versuchte daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, um in den jeweiligen Situationen entsprechend zu spielen und mich richtig zu verhalten.

Seit den British Open 2014 und den US Open 2015 hast Du kein World-Series-Turnier gewonnen. Gibt es dafür eine Erklärung?

In der Zeit von Dezember 2014 bis Sommer 2015 war ich verletzt: Ich litt an einer Entzündung der Achilles-Sehne. Es war so schmerzhaft, dass ich zwischen den Turnieren pausieren musste und kaum trainieren konnte. Deswegen hatte ich ein Trainings-Defizit und fehlende Match-Praxis. Ich war physisch wirklich sehr beeinträchtigt, so dass ich nur ein wenig Rad fahren und ab und zu Krafttraining machen konnte. Es war wirklich hart, weil es keine Anzeichen der Besserung gab. Ich musste tonnenweise Medikamente nehmen, auch ein paar PRP-Injektionen (Anmerkung der Red.: PRP: Platelet Rich Plasma (engl.), durch die Injektion thrombozytenreichen Eigenblut-Plasmas sollen die körpereigenen Regenerationsprozesse zur Förderung der Heilung unterstützt werden) und angepasste Einlegesohlen wurden ausprobiert. Morgens nach dem Aufstehen, konnte ich kaum gehen. Ich musste mich die Treppen seitlich herunter quälen, es war unmöglich. Ich spielte unter Schmerzmitteln und mein Sprunggelenk war immer mit einem Tapeverband versehen, um die Achilles-Sehne zu verstärken. Seit vergangenen April begann ich mich wieder besser zu fühlen und konnte dann langsam wieder besser trainieren. Im Sommer hatte ich viele weitere Physio-Behandlungen und wir fanden die passenden Einlagen, die wirklich halfen. Das darauffolgende Sommertraining war super und ab September fühlte ich mich wieder fit. Das waren wirklich sechs harte Monate. Ich verlor ständig, weil ich nicht fit war. Ich konnte maximal für eineinhalb Sätze mit den Top-Spielern mithalten. Viele Matches gewann ich nur wegen meiner Erfahrung, obwohl ich nicht genug im Tank hatte, um ein großes Turnier zu gewinnen.

Deine Ehefrau Veronika ist auch Squash-Spielerin. Ihr zwei habt einen Sohn. Wo haltet ihr euch auf, wenn Du nicht in der PSA World Tour unterwegs bist?

Während der Saison leben wir die meiste Zeit in Prag (Tschechische Republik), der Heimatstadt meiner Frau. Im Sommer sind wir aber auch oft in Aix-en-Provence (Frankreich) in meiner Heimat. Wenn ich zwei bis drei Wochen Lücke zwischen den Turnieren habe, verbringen wir auch sonst ein wenig Zeit in Frankreich.

Fünf der Top-Ten-Spieler sind aus Ägypten. Hast Du eine Ahnung warum so viele gute Spieler von dort kommen?

Das ist deren Geheimnis, du solltest sie fragen! Wenn ich in Ägypten bin, sehe ich so viele Kids spielen. Das letzte Mal, im Juni, in Alexandria ging ich morgens in den Club und da war in jedem einzelnen Court ein Kind mit einem Coach. Je mehr Kinder spielen desto mehr Champions erhältst Du später. Die haben Squash-Schulen mit 500 Kindern – bei uns in Frankreich sind in den Squash-Vereinen maximal 10 bis 50 Kids. Das ist ein großer Unterschied.

Wie sieht es mit Nachwuchsspielern in Frankreich aus?

Wir haben ein paar sehr gute Junioren, die sogar auf europäischer Ebene vorne dabei sind. Ich hoffe, dass sie die kommenden Champions sein und für Frankreich viele Medaillen holen werden. Das wünsche ich mir sehr.

Gibt es jemanden und falls ja wer hat Dich und Dein Spiel am meisten beeinflusst?

Es gibt einige Spieler, die mich inspirierten: Insbesondere Jansher Khan, Jonathon Power, Thierry Lincou, Amr Shabana sind da zu nennen. Aber auch Spieler meiner Generation gegen die ich zur Zeit spiele. Jeder hat seine Stärken und man kann voneinander lernen .

Du spielst seit vielen Jahren für Stuttgart in der Bundesliga. Im Jahr 2006 wurdest Du mit ihnen Deutscher Mannschaftsmeister und Europacup-Sieger. Gab es keine Angebote anderer Clubs?

Ich spiele seit sehr langer Zeit für Stuttgart. Sie sind in den Jahren enge Freunde geworden und ich genieße es mit ihnen zu spielen. Wir hatten immer eine gute Zeit, im Court aber auch außerhalb, viele schöne Erinnerungen. Solange ich spiele, werde ich für Stuttgart spielen. Natürlich haben mich in der Vergangenheit Leute anderer Clubs angesprochen und gefragt, ob ich für deren Mannschaft spiele. Ich habe aber stets abgelehnt, weil es keine Frage des Geldes ist, das geboten wird. Ich spiele für Stuttgart, weil ich mich da von Beginn an wohl gefühlt habe. Mittlerweile habe ich dort langjährige Freundschaften, die teils bis in meine Junioren-Zeit zurückreichen.

Simon Rösner ist für Dich kein Unbekannter. Was kannst Du von ihm berichten?

Simon ist ein großartiger Freund. Er ist ein netter Kerl, an dem ich besonders seine Ehrlichkeit schätze. Sportlich gesehen ist er der beste deutsche Spieler aller Zeiten. Mt seinem kraftvollen, temporeichen Spiel hat er es dieses Jahr fast unter die besten Fünf in der Weltrangliste geschafft. Ich wünsche ihm das Allerbeste und hoffe, dass er alle Ziele, die er sich im Squash und auch im sonstigen Leben gesteckt hat, erreichen wird.

Alexander Lukasch führte das Gespräch für squashnet.de

Alexander Lukasch führte das Gespräch für squashnet.de